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Samstag, 19. Mai 2012 12:28
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Saisonrückblick
Mittwoch, 19. Mai 2010
VfB 1900 Gießen Pointers, Aufsteiger in die Pro B. An diesem Erfolg beteiligt waren (hintere Reihe, von links): Oliver Nützel, Nils Steuber, Christoph Hillgärtner, Zeljko Pavlovic, Patrick Unger, Sebastian Rotaru, David Henke, Mario Maric, Yannik Reitschmidt; vorne (v. l.): Coach Dejan Kostic, Felix Rotaru, Alexander Göttker, Alexander Kratz, Vincent Zabel, Oliver Biallas und Till Wosnitza. (Foto: Friedrich)Ein Saisonrückblick auf einen Aufstieg ist selbstverständlich sowohl für die betroffenen Sportler und ihre Fans als auch für den jeweiligen Berichterstatter immer eine schöne Angelegenheit, aber der vorliegende Fall ist tatsächlich einer der bemerkenswerteren: Die VfB 1900 Gießen Pointers haben es als unkommerzieller Basketball-Regionalligist geschafft, in die 2. Bundesliga Pro B aufzusteigen und sich damit ins Konzert der professionalisierten Vereine einzumischen. Dass eine motivierte und leidenschaftliche unbezahlte Mannschaft, die zahlreichen Jungspielern aus dem eigenen Nachwuchs wertvolle Spielzeiten gewährte, in der seit dem Wochenende abgelaufenen Saison jeden einzelnen der teilweise stark zusammengekauften Ligakonkurrenten besiegen konnte, ist ein großer Erfolg nicht nur für den Verein, sondern für den Sport generell.

Umso gespannter dürfen die Augen nun auf die im Herbst beginnende Pro-B-Saison gerichtet werden, ob dieser Überraschungsverein auch in der höheren Liga konkurrenz- und überraschungsfähig sein wird. Denn am Konzept wird auch nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte vorerst nichts geändert: „Wir werden versuchen, das Projekt mit eigenen Vereinsmitteln zu stemmen; wir spielen nicht mit einem eigenen Etat und werden auch keine Amerikaner kaufen, sondern mit unseren bisherigen Spielern weiterspielen“, hält Gießens Geschäftsführer Günter Sikorski am Konzept fest, das in diesem Jahr so erfolgreich war. Seinen Ursprung bekam der Erfolg vor vier Jahren, als Sikorski Dejan Kostic als Trainer für die Pointers gewinnen konnte. Dieser baute das Team auf, integrierte immer wieder den Nachwuchs, studierte vielfältige und situativ flexible Defensivsysteme ein und sorgte damit dafür, dass die Mannschaft von Jahr zu Jahr stärker wurde. „Mit dem Aufstieg sind unsere Träume wahr geworden. Ich bin kein leichter Trainer und kann nur sagen: Danke Jungs, dass Ihr das durchgehalten habt“, freut sich Kostic über die Einsatzbereitschaft und das kameradschaftliche Klima im Verein. So waren von den eingesetzten Spielern zu Saisonbeginn gleich zehn maximal 23 Jahre alt, sechs davon waren noch nicht einmal 20. Und sie entwickelten sich hervorragend; die größten Leistungssprünge machten wahrscheinlich Till Wosnitza, der als kleiner Quirl mit viel Übersicht die Fäden im Aufbau zog, und Alex Göttker, der im vergangenen Jahr noch in der Jugendmannschaft spielte und nun bereits viel Verantwortung in der Regionalliga der Männer übernehmen konnte. Lernen konnten diese jungen Spieler von den erfahrenen Routiniers, die bereits seit Jahren den Kern des Teams bilden: Zeljko Pavlovic, Felix und Sebastian Rotaru sowie Christoph Hillgärtner waren ihren jungen Kollegen nicht nur sportlich, sondern auch menschlich eine große Entwicklungshilfe. Hinzu kamen mit Patrick Unger und Nils Steuber echte Verstärkungen. „Wir haben hier eine super Team-Chemie – ich war sofort drin. Ich wusste gleich, dass wir mit dieser Mannschaft aufsteigen können“, erklärt Center Steuber (wie alle seine Teamkollegen unisono), dass er sich in dieser Mannschaft einfach nur wohl fühlt und eine solche Stimmung beiläufig auch zu besseren Leistungen verhilft.

Den Grundstein für den Aufstieg legten die Pointers mit einer fabelhaften Hinrunde, die auch die Niederlagen in der Rückrunde verschmerzen ließ und als Polster genügte: „Dass wir nicht als Meister aufsteigen, ist ein kleiner Wermutstropfen, aber die Freude auf die Pro B überwiegt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut laufen würde – der Aufstieg muss jetzt erstmal sacken“, bekundet Shooting Guard Patrick Unger und erklärt, dass er und sein Team auch in der höheren Liga keine Angst vor der Konkurrenz haben. Mit dem Aufstieg in diese Klasse winken auch attraktive Derbys mit den Licher BasketBären, die zwar sportlich abgestiegen sind, aber aller Wahrscheinlichkeit nach den Startplatz des zurückgezogenen Teams der Giants Nördlingen erhalten werden – die Lizenz ist bereits erteilt. „Wenn Lich in der Pro B bleibt, bleibe ich auf jeden Fall dort. Dann freue ich mich auf super Derbys mit Gießen“, hebt Viktor Klassen, Shooting Guard der BasketBären, der als Zuschauer in der Doppelturnhalle das Regionalligafinale zwischen den beiden künftigen Pro-B-Ligisten Gießen und BV Villingen-Schwenningen verfolgte, diesen positiven Effekt des Pointers-Aufstiegs hervor. Die Aufstiegs-Lorbeeren weist Sikorski als Geschäftsführer und Macher übrigens bescheiden von sich: „Es ist die Mannschaft, die sich den Aufstieg verdient hat – das ist eine Wahnsinnssache. Die Pro B ist was anderes als die Regionalliga; mal gucken, wie das dort läuft“, erwartet Sikorski ebenso wie die Spieler, der Trainer, die Fans und alle anderen Insider bereits jetzt äußerst gespannt die erste (und hoffentlich nicht letzte) Pro-B-Saison des VfB 1900.
 
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